Zum Inhalt springen

[News] Hasta la Vista? Hasta nix Lusta.


ShadowMP

Empfohlene Beiträge

Geschrieben

Habe in der netzwelt einen absolut genial verfassten Artikel gefunden, den ich euch nicht vorenthalten kann! Absolut zum Wegpacken ist vor allem der "Dialog"! :saufen:

Er enthält trotz seiner zunächst sinnfrei anmutenden Aufmachung einige interessante Informationen, daher passt er in meinen Augen auch wunderbar in diese Section.

Hasta la Vista? Hasta nix Lusta.

Ein Betriebssystem sinniert über das "Warum?" - und wird erleuchtet

Danke, dass Sie sich kurz Zeit nehmen: Mein Name ist Vista. Windows Vista, um genau zu sein. Microsoft Windows Vista, um pedantisch zu sein. Ich bin ein Betriebssystem, in Kürze wohl auch Ihr Betriebssystem. Und ohne mir jetzt selbst auf den Kartonrücken klopfen zu wollen - ich bin im Moment richtig berühmt. Und das, obwohl es mich de facto noch gar nicht gibt.

Was die lieben Journalisten nicht schon alles im Vorfeld vollführt, vorteilhaft vorgestellt und vortrefflich formuliert haben: News, Vorbericht, Zwischenbericht, Erfahrungsbericht, Hardware-Versuch, Look-Alike-Versuch, Selbstversuch. Ich wurde nach allen Regeln der IT-Kunst gemessen, gewogen und - für gut befunden? Tja, wissen Sie, genau da liegt das Problem. Irgendwie kann mich nämlich keiner leiden.

Metaphern ahoi: Windows Vista im Nachtclub

Mir kommt es glatt so vor, als wäre ich die Stripperin der Softwarewelt: Angucken ja, anfassen nein. Oder nehmen Sie die Vogelspinne: Die Leute möchten Bilder von ihr sehen, am liebsten so detailliert wie möglich. Da wird analysiert, dokumentiert, verglichen und nicht nur Naturfreunde sind überzeugt, dass sie ein faszinierendes Geschöpf vor sich haben. Aber die Spinne auf die eigene Hand lassen? Oder gar mit nach Hause nehmen? Ach nö, dann doch lieber einen Goldfisch. Blubb.

So wie der Vogelspinne geht es auch mir. Bis auf die haarigen Beine vielleicht. Und den dicken Hintern. Das Interesse an mir ist enorm groß, aber so gut wie niemand möchte mich in seinen vier Wänden haben, vor allem denen des PC-Gehäuses. Ich könnte jetzt noch eine Weile so weitermachen oder direkt zugeben, dass der Vergleich trotz der acht Beine ein wenig hinkt. Aber hier geht es schließlich ums Prinzip - und überhaupt macht Übertreibung die Sache doch erst anschaulich.

Ich habe mir also die Frage gestellt, die Poeten, Wissenschaftler und Philosophen bereits in diverse Abgründe ihres Bewusstseins befördert hat: Jenes existentielle "Warum?" Warum werden alle Informationen zu mir, meinen Fähigkeiten und Fehlern, so gierig aufgesogen, wenn dann doch nur jeder den Kopf schüttelt und wettert: "Da bleibe ich doch besser bei [betriebssystem oder Distribution Ihrer Wahl bitte hier eintragen]". Warum? Das hat mich wirklich beschäftigt, aber ich habe eine Antwort gefunden. Wenn Sie also noch einen Moment Zeit hätten? Nein? Gut, dann beeile ich mich: Ich habe kürzlich...

Betriebssysteme unter sich: Keine Diskussionsgrundlage

...meinen alten Kumpel X.P. auf einer dieser berüchtigten Sammler-Festplatten getroffen. Nach einem kurzen Smalltalk über den Komplettabsturz von letzter Nacht und überzogene Benutzerkonten erweiterte sich unsere Runde noch um Winnie 98 und den Mäc Icks - nicht gerade die Gesellschaft meiner Wahl. Tja, und immer wenn du denkst, schlimmer geht's nicht mehr, kommt von irgendwo ein Linux her! In diesem Fall war es Herr Kunterbuntu, und aus dem gemütlichen Plausch unter Gleichgesinnten wurde lautes Schweigen.

Kurz bevor ich den Krach nicht mehr aushalten konnte, ergriff ich das Wort und fragte: "Jungs, wo wir hier gerade so nett beisammen sind: Was macht eigentlich ein gutes Betriebssystem aus? Was bringt die User dazu, uns zu benutzen, und was schreckt sie ab?". Nach einigen Sekunden kollektiver Verwirrung gaben nach und nach alle ihre Ideen zum Besten. Das folgende Gespräch war für mich recht aufschlussreich, deshalb möchte ich es hier so originalgetreu wie möglich wiedergeben. Also zurück auf Start und O-Ton ab:

Vista: Was bringt die User dazu, uns zu benutzen, und was schreckt sie ab?

[schweigen]

Vista: Na los, ihr werdet doch wohl eine Meinung dazu haben, es geht schließlich um euch!

Winnie 98: Also, meiner Ansicht nach sollte ein Betriebssystem benutzerfreundlich und zuverlässig sein.

Mäc Icks: Haha, das sagt ja genau der Richtige. Du schaffst doch keine fünf Minuten ohne Absturz. Optik zählt, Punkt.

X.P.: Hey, immer locker bleiben. Aussehen alleine ist auch nicht alles. Außerdem spricht der Marktanteil von uns ja wohl für sich.

Kunterbuntu: [sets command_line to "talk"] Offener Code ist der einzige Weg zur Erleuchtung. Die Informationen müssen frei sein!

Vista: OpenSouce werde ich mit Sicherheit nicht, soviel ist mal sicher. Die Frage ist: Was will der User?

X.P.: Der User will ein weit verbreitetes System, das möglichst viel Software unterstützt und einfach verständlich ist - mich!

Winnie 98 has left the channel (ping timeout)

X.P.: Winnie?

Mäc Icks: Und weg isser, wie ich bereits prophezeit habe. Bluscreen, wetten? Und ein hässlicher noch dazu.

Kunterbuntu: [changes command_line to "smile"] Der kommt nach einem Reboot schon wieder - so in zehn Minuten. Die Informationen müssen frei sein!

Vista: Zurück um Thema: Ist die Wahl des Betriebssystems nicht in erster Linie eine Frage der Zielgruppe? Oder kann ich es wirklich jedem recht machen?

Mäc Icks: Klar, nimm einfach mich und sei glücklich bis an dein Lebensende - und gutaussehend.

X.P.: Aber mit welchen Programmen sollen die User denn an dir arbeiten? Von Spielen brauche ich ja gar nicht erst anzufangen.

Kunterbuntu: Ihr lasst euch doch alle in ein kapitalistisches Korsett zwängen, das eure Kreativität beschneidet. Die Informationen müssen frei sein!

Vista: Womit wir doch wieder bei der Zielgruppe wären. Die einen wollen Spiele, andere Image, einige brauchen die Kommandozeile zum Seelenfrieden.

Winnie 98 has entered the channel

X.P.: Hey Winnie, willkommen zurück. Du als älteres Semester hast doch bestimmt eine fundierte Meinung zu dem Thema.

Mäc Icks: Jaja, die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber verschluckt sich immer noch an jedem Bit.

Winnie 98: Ich weiß, dass ich meine Unzulänglichkeiten habe. Und ich stimme Hasta la Vista zu: Das perfekte System existiert niemals für das Kollektiv, sondern nur für das Individuum.

Vista: Du meinst also, man kann überhaupt nicht jeden zufrieden stellen? Schön, aber worauf soll ich mich dann spezialisieren?

Mäc Icks: Abstürze, Sicherheitslücken, biedere Aufmachung - bleibt doch eh alles in der Familie, oder?

Kunterbuntu: [changes command_line to "explain"] Du solltest das Betriebssystem für die Massen werden: Gamer, Gelegenheitscomputerasten, DAUs, Angestellte - n00bs halt. Und wer über den eigenen Tellerrand hinausblicken will, kommt zu mir. Die Informationen müssen frei sein!

X.P.: Etwas hart formuliert, aber im Kern steckt Wahrheit, zweifelsohne. Ich werde mich wohl auf die Noch-Verweigerer und Umsteigeunwilligen konzentrieren und Vista langsam das Feld überlassen. Noch ist der Sicherheitsaspekt auf meiner Seite, fünf Jahre Updates sind schon eine Bank.

Vista: Tja, Mäc, und was ist mir dir? Das OS ohne Zielgruppe, scheint mir. Oder siehst du das anders?

Mäc Icks: Kein Ding, ich schare die Schöngeister um mich. Die Alternativen. Im Film sind die Apple-Jünger immer die Guten, warum nicht auch im wahren Leben? Und ein gutes Aussehen schadet doch nur dem, der es nicht hat, stimmt's Winnie?

Winnie 98 has left the channel (ping timeout)

Und so endete das Gespräch mehr oder weniger, denn Winnie 98 kam nicht wieder. Mit einigen Höflichkeitsfloskeln verabschiedeten wir anderen Betriebssysteme uns voneinander und jeder ging seiner Wege. Die große Frage: Bin ich jetzt schlauer als vorher? Nicht unbedingt, aber ich würde behaupten, dass sich mein Horizont erweitert hat. Ich kann jetzt verstehen, warum manche User nichts mit mir zu tun haben wollen - sie sind schlicht und ergreifend nicht Bestandteil meiner Zielgruppe. Das muss ich akzptieren.

Einsicht mit Absicht ist besser als Zuversicht ohne Umsicht

Warum sich dann trotzdem jeder für mich interessiert, ist wohl eine Mischung aus Ideologie und Neugier: Natürlich möchten die Fans meiner Mitbewerber Mäc, Kunterbuntu und auch der alten Garde um Winnie und X.P. sich und jeden in ihrem Dunstkreis davon überzeugen, dass gerade ihre Wahl das Nonplusultra darstellt. Aber der letzte Funke Unsicherheit zwingt sie dennoch dazu, die Emporkömmlinge unter die Lupe zu nehmen. Denn vielleicht, ganz vielleicht, bin ich ja das Betriebssystem ihrer Träume. Zugegeben wird das allerdings erst viel später - der Mensch ist ja Gewohnheitstier.

Jetzt haben Sie sich wirklich viel Zeit genommen, und dafür danke ich Ihnen. Mir hat die kritische Auseinandersetzung mit mir und meiner Konkurrenz geholfen, den Sinn meiner Existenz als Betriebssystem besser zu verstehen. Im Nachhinein fühle ich mich weder als Stripperin noch als Vogelspinne - auch vom Goldfisch bin ich weit entfernt. Was Sie jetzt denken, ob Sie sich für mich, Mäc, Winnie, Kunterbuntu oder gar die Playstation entscheiden, hängt letztlich von Ihnen ab. Und in ein paar Monaten habe ich dann endlich die Gewissheit, ob mich nicht unter Umständen doch jemand zumindest ein bisschen leiden kann - vielleicht Sie?

Quelle: www.netzwelt.de

Geschrieben

Hehe, danke fürs reinposten. Wirklich toller Artikel - kommt mir alles so bekannt vor *gg*.

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde Dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

Jetzt anmelden
  • Wer ist Online

    • Keine registrierten Benutzer online.
×
×
  • Neu erstellen...